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| Treuhandanstalt | |
Die Treuhandanstalt - meist nur "Treuhand" genannt - entstand in der Endphase der DDR als Instrument, um den Umbau der sozialistischen Planwirtschaft in eine freie Marktwirtschaft zu steuern. Aufgaben Anfang Februar 1990 wurde bei den Sitzungen des "Runden Tisches" die Gründung einer Staatsholding diskutiert, in deren Besitz die Volkseigenen Betriebe (VEB) der DDR überführt werden sollten. Nach Verhandlungen mit der Bundesregierung beschloss die erste freigewählte Volkskammer der DDR am 17. Juni 1990 mit dem "Gesetz zur Privatisierung und Reorganisation des volkseigenen Vermögens" die Errichtung der Treuhandanstalt. Ihr waren 1990 fast 9.000 Betriebe mit mehr als vier Millionen Mitarbeitern unterstellt. Sie sollte für die Herausbildung einer effizienten Wirtschaftsstruktur in der DDR sorgen, das dort vorhandene "volkseigene Vermögen" nach den Grundsätzen der Sozialen Marktwirtschaft privatisieren und verwerten, die Strukturanpassung der Wirtschaft an die Erfordernisse des Marktes fördern und dabei insbesondere sanierungsbedürftige Betriebe zu wettbewerbsfähigken Unternehmen umwandeln. Umsetzung Anfangs herrschte in Teilen des politschen Spektrums die Illusion vor, dass die DDR-Betriebe ein Nettovermögen darstellten, welches durch die Treuhand von der Bundesregierung enteignet werden sollte. In Wirklichkeit standen den Erlösen aus dem Verkauf der Betriebe weit höhere Lohnkosten gegenüber, da die Treuhand nach ihren politischen Vorgaben nicht nach marktwirtschaftlichen Kriterien Betriebe liquidierte, sondern zur Entlastung des Arbeitsmarktes noch längere Zeit subventionierte. Die "Rote Armee Fraktion" versuchte sich diese öffentliche Stimmungslage zunutze zu machen, als sie am 1. April 1991 den damaligen Präsidenten der Treuhandanstalt, Detlev Karsten Rohwedder, ermordete. Beurteilung Die Wahrnehmung der Treuhand ist in der Öffentlichkeit, besonders in den neuen Bundesländern, noch heute außerordentlich negativ. Dazu beigetragen haben neben dem Zusammenbruch eines Großteils der ehemaligen DDR-Betriebe auch zahlreiche Korruptionsfälle und wirtschaftspolitische Fehlentscheidungen, bei denen nicht solvente Interessenten einigermaßen intakte Firmen übernahmen und in kurzer Zeit ruinierten. Bei der Bewertung der Tätigkeit der Treuhand muss jedoch immer in Rechnung gestellt werden, dass es für die politisch gewollte Aufgabenstellung weder Erfahrungswerte noch ernstzunehmende Alternativen gab. Eine tiefgreifende Forschungsdiskussion steht noch aus, doch deutet der Vergleich mit Privatisierungen in anderen ehemaligen Ostblockstaaten darauf hin, dass etliche Probleme im wirtschaftlichen Transformationsprozess der neuen Bundesländer wohl unvermeidlich waren. Literaturhinweise Breuel, Brigit: Treuhand intern. Tagebuch. 2. Aufl. Frankfurt/ Main 1993. |
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