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| Jugendjahre und erste politische Erfahrungen 1930-1959 | |
Helmut Kohl war der letzte Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, der den Terror des Nationalsozialismus und die Schrecken des Zweiten Weltkriegs bewusst miterlebt hat. Diese Zeit hat ihn geprägt und in seiner politischen Einstellung beeinflusst. Elternhaus Als Helmut Kohl am 3. April 1930 in Ludwigshafen geboren wurde, warteten bereits zwei ältere Geschwister auf ihn: seine Schwester Hildegard (1922-2003) und sein Bruder Walter (1926-1944). Der Vater, Hans Kohl (1887-1975), stammte aus einer bäuerlichen Familie mit elf Kindern in Unterfranken und sorgte als Finanzbeamter für den Lebensunterhalt. Über die aus Ludwigshafen-Friesenheim stammende Mutter, Cäcilie Schnur (1891-1979), hatte die Familie in der Pfalz ihr Zuhause gefunden. Schulzeit im Krieg 1936 wurde Helmut Kohl in der Friesenheimer Volksschule eingeschult. Im Gymnasium gehörten Geschichte, Deutsch und Geographie zu seinen Lieblingsfächern, während ihm Mathematik und Naturwissenschaften eher ein Greuel waren. 1940 wechselte Kohl auf die Oberrealschule in Ludwigshafen. Mit Fortschreiten des Zweiten Weltkriegs war ein normaler Unterricht nicht mehr möglich; der Schulbetrieb in Ludwigshafen wurde schließlich ganz eingestellt und mit dem Dom-Gymnasium in Speyer zusammengelegt. Arbeitsdienst und Wehrmacht blieben Kohl altersbedingt erspart, doch beim Schülerlöschtrupp lernte er in den brennenden Häusern Krieg, Tod und Zerstörung kennen. Im Spätherbst 1944 musste Kohl Ludwigshafen verlassen und mit der Kinderlandverschickung zunächst nach Erbach im Odenwald, dann nach Berchtesgaden ausweichen. Neben dem Schulunterricht stand nun eine vormilitärische Ausbildung auf dem Programm. Das Kriegsende ersparte ihm den Dienst als Flakhelfer. Studium in Frankfurt und Heidelberg Im Wintersemester 1950/51 begann Helmut Kohl in Frankfurt am Main ein breit angelegtes Studium: Völkerrecht bei Walter Hallstein, Nationalökonomie bei Franz Böhm, Vorlesungen beim Sozialdemokraten Carlo Schmid, Psychologie bei Ernst Michael. Nach zwei Semestern täglichen Pendelns wechselte Kohl an die Universität Heidelberg. Er hörte den Kultursoziologen Alexander Rüstow, den Psychologen Willy Hellpach (früherer badischer Staatspräsident und Heidelberger Professor), die Historiker Fritz Ernst, Johannes Kühn, Werner Conze und Rudolf von Albertini sowie den Mediziner Viktor von Weizsäcker, den Juristen Walter Jellinek, den Nationalökonom Erich Preiser, den Soziologen Hans von Eckardt sowie die Politikwissenschaftler Waldemar Gurian, Theodor Eschenburg, Arnold Bergstraesser und Dolf Sternberger. Ab Sommer 1952 konzentrierte sich Kohl auf die Fächer Geschichte, Politische Wissenschaft, Staatsrecht und Öffentliches Recht. Der Weg in die Politik Die erste demokratische Wahl erlebte Helmut Kohl am 15. September 1946, als er seine Eltern bei den Kommunalwahlen ins Wahllokal begleitete. Er blieb den ganzen Tag dort im Schulgebäude und beobachtete sehr bewusst und fasziniert die Vorgänge. Als der Gemeindepfarrer dieses rege Interesse mitbekam, ebnete er dem Sechzehnjährigen den Weg zu Dekan Johannes Finck aus Limburgerhof, eine Arbeitersiedlung vor den Toren Ludwigshafens. Finck, Mitbegründer der CDU in der Pfalz, lud regelmäßig eine Gruppe junger Leute zwischen Anfang und Mitte Zwanzig ein, um über politische, gesellschaftliche undphilosophische Fragestellungen zu diskutieren. Hier gewann der junge Kohl Einblicke in die Notwendigkeit, die konfessionellen Gegensätze in einer Union zu überwinden, allen Schichten im Volk eine politische Heimat zu geben und den Willen zur föderalen Einheit Deutschlands nicht zu verlieren. Erste Ämter Zuerst wurde er JU-Ortsvorsteher, dann stellvertretender JU-Kreisvorsitzender. Doch bei der Wahl zum neuen Bezirksvorsitzenden der Jungen Union Pfalz fiel Helmut Kohl am 1. Mai 1948 durch. Von nun an konzentrierte er sich auf die CDU. Am 14. August 1949 stand die erste Bundestagswahl an. Beim Wahlkampfauftakt im Heidelberger Schloss erlebte er Jakob Kaiser, Karl Arnold, Gustav Heinemann und Konrad Adenauer. In diesem Wahlkampf hielt der junge Kohl selbst seine erste Wahlkampfrede in Mutterstadt bei Ludwigshafen. Kohl traute sich, die Stimme zu erheben, kritisierte das Honoratiorentum der CDU und profilierte sich rasch. Im November 1953 schaffte er in einer Kampfkandidatur den Sprung in den geschäftsführenden Vorstand der CDU Pfalz. Im April 1954 folgte die Wahl zum stellvertretenden Landesvorsitzenden der Jungen Union Rheinland-Pfalz. Einen Dämpfer erhielt der engagierte Jungpolitiker, als er im Januar 1955 in einer Kampfkandidatur um den stellvertretenden Landesvorsitz der CDU — allerdings nur knapp — gegen den Familienminister Franz-Josef Wuermeling unterlag. Mit Mitte Zwanzig saß Kohl dennoch im CDU-Landesvorstand und somit im wichtigsten Parteigremium in Rheinland-Pfalz. |
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